Sponsorensuche
10 Dinge, die ein Verein vor der Sponsorensuche vorbereiten sollte
Von Marco Castro · · 9 Min. Lesezeit
Ich sehe bei Vereinen oft den gleichen Ablauf: Das Geld wird knapp, jemand öffnet eine Liste mit Firmen aus der Region und die ersten Mails gehen raus. Dabei ist noch gar nicht geklärt, was der Verein einem Unternehmen konkret anbieten kann. Die Sponsorensuche beginnt dann zu früh. Mit etwas Vorbereitung wird aus einer Bitte um Unterstützung ein verständliches Angebot. Diese zehn Punkte sollten Sie deshalb klären, bevor Sie die erste Firma kontaktieren.
1. Was wollen wir mit Sponsoring erreichen?
Mehr Geld ist als Ziel zu ungenau. Legen Sie fest, wofür Sie zusätzliche Einnahmen brauchen und welcher Betrag realistisch ist. Geht es um neue Juniorentrikots, die Finanzierung eines Turniers oder um wiederkehrende Einnahmen für den Trainingsbetrieb? Ein klares Ziel hilft später bei den Paketen und bei der Auswahl der Unternehmen.
Beispiel: Ein Handballverein will die Reisekosten seiner Nachwuchsteams von CHF 8'000 pro Saison decken. Damit ist klar, dass zwei grössere Partner oder mehrere kleinere Pakete gesucht werden. Die Frage für Ihren Vorstand lautet: Welchen konkreten Betrag wollen wir in den nächsten zwölf Monaten durch Sponsoring erreichen und wofür setzen wir ihn ein?
2. Welche Zielgruppen erreichen wir?
Ein Unternehmen interessiert sich nicht nur für die Mitgliederzahl. Es will wissen, welche Menschen es über den Verein erreicht. Sammeln Sie deshalb Angaben zu Alter, Wohnort, Familien, Berufsumfeld und Besuchern Ihrer Anlässe. Bleiben Sie ehrlich und verwenden Sie nur Zahlen, die Sie nachvollziehen können.
Beispiel: Ein Turnverein hat 220 Mitglieder, davon 90 Kinder. Beim jährlichen Turnerabend sitzen rund 700 Personen aus der Gemeinde in der Halle. Für eine lokale Bank, eine Fahrschule oder einen Familienbetrieb ist diese Zielgruppe interessant. Wen erreicht Ihr Verein regelmässig und warum könnte genau diese Gruppe für eine Firma wichtig sein?
3. Welche Sponsoringmöglichkeiten haben wir?
Schreiben Sie zuerst alles auf, was ein Partner bei Ihnen nutzen könnte. Dazu gehören Trikots, Banden, Website, Social Media, Newsletter, Matchprogramm, Vereinsanlässe und Turniere. Denken Sie auch an Möglichkeiten, die nicht sofort sichtbar sind, etwa ein Patronat für den Nachwuchs oder die Präsentation einer Lehrstelle.
Beispiel: Ein kleiner Volleyballclub hat kaum Zuschauer, aber eine aktive Instagramseite und ein gut besuchtes Plauschturnier. Für ihn sind digitale Beiträge und ein Turnierpartner wahrscheinlich wertvoller als eine Bande in einer leeren Halle. Welche drei Flächen oder Kanäle sehen Ihre Mitglieder und Besucher am häufigsten?
4. Was ist unser konkreter Mehrwert für ein Unternehmen?
Sponsoring im Verein ist kein einseitiges Geschenk. Der Verein bietet Aufmerksamkeit, Nähe und Vertrauen in einer bestimmten Region. Übersetzen Sie Ihre Reichweite deshalb in einen Nutzen für die Firma. Das kann Bekanntheit sein, der Kontakt zu Familien, ein gutes Ansehen in der Gemeinde oder der Zugang zu möglichen Mitarbeitenden.
Beispiel: Ein Fussballclub mit 350 Mitgliedern kann einem lokalen Sanitärbetrieb nicht nur ein Logo anbieten. Er kann den Betrieb als Arbeitgeber in der Region sichtbar machen und freie Lehrstellen über seine Kanäle teilen. Fragen Sie sich: Welches Problem einer Firma können wir mit unserer Gemeinschaft und unserer Reichweite lösen?
5. Welche Gegenleistungen können wir zuverlässig anbieten?
Versprechen Sie nur Leistungen, die Ihr Verein auch umsetzen kann. Ein monatlicher Beitrag auf Social Media klingt gut, bringt aber nichts, wenn seit drei Monaten niemand etwas veröffentlicht hat. Jede Gegenleistung braucht eine verantwortliche Person und einen realistischen Aufwand.
Beispiel: Ein Unihockeyverein verspricht einem Partner vier Beiträge pro Saison, das Logo auf den Einlaufshirts und eine Einladung zum Sponsorenabend. Diese Leistungen sind einfach kontrollierbar. Wer macht bei Ihnen die Fotos, wer veröffentlicht die Beiträge und wer prüft am Saisonende, ob alles geliefert wurde?
6. Was ist unser Angebot wert?
Setzen Sie Preise nicht nach Gefühl oder aus Angst vor einer Absage. Vergleichen Sie Ihre Reichweite, die Dauer der Sichtbarkeit und den Aufwand mit anderen Werbemöglichkeiten in der Region. Ein Logo, das eine ganze Saison auf 200 Trikots sichtbar ist, hat einen anderen Wert als eine einmalige Erwähnung.
Beispiel: Ein Vereinsfest zieht an zwei Tagen 1'200 Gäste an. Der Hauptpartner erscheint auf Plakaten, im Programm, online und vor Ort. CHF 300 wären dafür kaum passend. Der Verein könnte ein Hauptpaket und kleinere Einzelangebote definieren. Sind Ihre Preise für beide Seiten verständlich und können Sie erklären, wie sie zustande kommen?
7. Welche Unternehmen passen zu unserem Verein?
Eine lange Liste mit beliebigen Firmen bringt wenig. Suchen Sie Unternehmen, die in Ihrer Region tätig sind und zu Ihren Mitgliedern oder Aktivitäten passen. Prüfen Sie auch das eigene Netzwerk. Mitglieder, Eltern und ehemalige Spieler kennen oft Personen in passenden Betrieben.
Beispiel: Für einen Juniorenfussballverein passen eine Kinderarztpraxis, eine Garage, eine Versicherung mit lokaler Filiale oder ein Ausbildungsbetrieb eher als ein Unternehmen ohne Bezug zur Region. Notieren Sie pro Firma einen Grund, warum eine Partnerschaft sinnvoll wäre. Wenn Ihnen keiner einfällt, gehört die Firma wahrscheinlich nicht auf die Liste.
8. Welche Unterlagen brauchen wir?
Vor der ersten Anfrage sollte ein kurzes Sponsoringkonzept bereitstehen. Es zeigt den Verein in Zahlen, die Zielgruppen, die Möglichkeiten, die Pakete, die Preise und eine klare Kontaktperson. Zwei bis vier gute Seiten reichen meistens. Eine Firma muss das Angebot schnell verstehen können.
Beispiel: Der FC Musterwil verschickt keine zwanzigseitige Vereinschronik, sondern eine übersichtliche Mappe mit Mitgliederzahlen, Bildern, drei Paketen und den Kontaktdaten der Sponsoringverantwortlichen. Öffnen Sie Ihre Unterlagen auf dem Handy: Ist nach zwei Minuten klar, was eine Firma bekommt und was es kostet?
9. Wer kümmert sich intern um Sponsoring?
Sponsoring darf nicht zwischen drei Vorstandsmitgliedern liegen bleiben. Bestimmen Sie eine Person, bei der Kontakte, Unterlagen und nächste Schritte zusammenlaufen. Sie muss nicht alles allein erledigen, aber sie hält den Überblick und antwortet verlässlich.
Beispiel: In einem Eishockeyverein führt die Sponsoringverantwortliche eine einfache Tabelle mit Firma, Kontaktperson, letztem Gespräch und nächstem Termin. Zwei weitere Personen helfen bei Gesprächen und Unterlagen. So geht keine Anfrage verloren. Wer ist bei Ihnen klar verantwortlich und wie viel Zeit kann diese Person pro Woche einsetzen?
10. Wie betreuen wir Sponsoren nach dem Abschluss?
Die Arbeit endet nicht mit der Unterschrift. Planen Sie schon vor der Sponsorensuche, wie Sie Leistungen dokumentieren, Partner informieren und Verlängerungen vorbereiten. Ein Sponsor, der während der Saison nur eine Rechnung erhält, fühlt sich schnell vergessen.
Beispiel: Ein Basketballverein schickt nach dem Saisonstart ein Foto der neuen Trikots, lädt seine Partner zu einem Heimspiel ein und erstellt am Saisonende einen kurzen Bericht mit Bildern und Reichweiten. Das braucht wenig Zeit und zeigt Wertschätzung. Welche drei Kontakte soll jeder Sponsor während einer Saison von Ihnen erhalten?
Drei Schritte für diese Woche
Sie müssen nicht alles auf einmal fertigstellen. Reservieren Sie eine Vorstandssitzung oder eine Stunde mit den zuständigen Personen und beginnen Sie mit den Grundlagen.
- Schreiben Sie ein klares Sponsoringziel mit Betrag und Verwendungszweck auf.
- Sammeln Sie Ihre wichtigsten Zahlen, Zielgruppen und verfügbaren Werbemöglichkeiten auf einer Seite.
- Bestimmen Sie eine verantwortliche Person und erstellen Sie eine erste Liste mit zehn passenden regionalen Unternehmen.
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